Marienkäferclown beim MMM#6

Vorwort: Liebste Hauptstadt, tu das bitte nie wieder mit mir! Du weißt, ich mag dich und besuche dich gerne, aber einer sonnenverwöhnten Südhessin, die da wohnt, wo Deutschland  anfängt, Italien zu werden, (wie Goethe seinerzeit angeblich behauptete) so eine Knochenbrecherkälte zuzumuten war wirklich nicht besonders nett. Ich habe am Samstag  versucht, so viele Stoffläden (Hüco, Stoffmarkt Crellestraße, Stoffmarkt am Maybachufer, Frau Tulpe) wie möglich aufzusuchen, aber die eisigen Temperaturen bei schönstem Winterwetter schmälerten das Einkaufsvergnügen (vor allem wo die Verkaufsstellen im Freien lagen) doch ganz erheblich. Trotzdem habe ich beeindruckende 8 m (!!) Stoff und Einiges an Kurzwaren mit nach Hause transportiert, wo das gehamsterte Material nun seiner weiteren Verwendung harrt.

20140125_135318

20140125_135034

Wie Berliner Kinder Schlitten fahren & endlich mal persönlich zu Frau Tulpe

20140125_190340

Teile meiner Beute

Nun aber zum eigentlichen Grund Eures Hierseins: Der Me Made Mittwoch. Wie vor einigen Wochen hier bereits angekündigt, habe ich den Schnippschnapp Hoodie jetzt ein zweites Mal genäht. Er hing eine ganze Weile hier so halbfertig rum und machte mich ganz unglücklich, weil er irgendwie so clownsmäßig aussah mit seinen Marienkäferpunkten. Trotzdem habe ich ihn eines Nachmittags dann fertig genäht, da ich mir ja vorgenommen hatte, erst mal UFOs abzubauen, bevor ich meine 2014er Projekte beginnen würde. Zum Glück sieht er mit Kapuze längst nicht mehr so nach Zirkus aus.

20140128_221026

(Sorry für die mal wieder bescheidene Qualität der Bilder *smartphonekunstlichtverwackel*… Ich gelobe feierlich Besserung und hoffe auf ein baldiges Ende des Winters und der kurzen Tage…)

Das hat auch ganz gut funktioniert: Bis auf einen Loop, dem noch die entscheidende Naht fehlt und einem Winterkleid, das nur noch auf das Säumen der Ärmel wartet, bin ich bereit, mich meinen Ängsten zu stellen und eine gefütterte Übergangsjacke zu nähen. Der Schnitt liegt bereits seit dem Wochenende zusammengeklebt hier, nur an den Zuschnitt habe ich mich noch nicht gewagt, da ich doch die eine oder andere Modifikation vornehmen möchte und daher das Zuschneiden nur in einer Atmosphäre höchster Konzentration und am besten in einem Rutsch stattfinden kann. Beim Thema Modifikationen bin ich aber wieder beim Thema Schnippschnapp Hoodie.

20140128_221015

Ich habe dieses Modell jetzt ein wenig abgeändert: Die Puffärmel habe ich diesmal beim Zuschnitt beherzt wegoperiert und das Bündchen unten ist einen Tick länger geworden. Der Kapuze habe ich einen Astronautenausschnitt verpasst. Leider vergesse ich immer wieder, dass es nicht ausreicht, beim Ändern nur das eigentliche Schnittteil zu modifizieren, sondern man auch die weiteren Auswirkungen der Änderung betrachten muss. In meinem konkreten Fall hieß das: Der Ausschnitt war vorher schon eng; nun allerdings bleibt mein Kopf beim Anziehen ab und an in einem ungünstigem Winkel stecken und es geht weder vor noch zurück. Auch würgt mich das Vorderteil ein wenig. Aber egal, wer schön sein will muss leiden.

20140128_221039

Tascheneingriffskanten, Kapuzenausschnitt und Passe sind mit einer weißen Paspel abgesetzt.

Habe ich schon erwähnt, dass ich bei der Verlosung des zauberhaften Beswingtes Allerlei Blogs tatsächlich ein Handarbeitsheft aus den 50er Jahren  gewonnen habe? Ich fiebere der Ankunft dieses Schmuckstücks schon voller Freude entgegen, es enthält nämlich einen Schnitt, der mir bei der Konstruktion meines 20er Jahre Oberteils vielleicht helfen kann. Stoff habe ich in Berlin auch gekauft, so dass ich mich schon jetzt tierisch auf das Nähen freue.

oberteil swing

Beim Me Made Mittwoch versammeln sich wie jede Woche auch heute die Freundinnen der selbsthergestellten Haute Couture.

Gärtnern

Es ist ja nicht ausschließlich die Anfertigung der eigenen Garderobe, auch wenn diese momentan meine liebste (und zeitfressendste!) DIY-Anwendung ist, die ein ausgesprochenes Gefühl der Befriedigung vermittelt. Ich (als zukünftige Agraringenieurin) habe mich das letzte Jahr über intensiv mit urbaner Gärtnerei und selbstgezogenem Gemüse beschäftigt. Nach dem Umzug im Winter hatten wir zum ersten Mal einen eigenen Balkon und Zierpflanzen fand ich schon immer irgendwie doof. Ich träumte von saftigen Tomaten, knackigen Salaten und duftenden Erdbeeren und einem Kräutergarten, in dem die Hummeln und Schmetterlinge summten.

Schon vorher war ich nicht unbedingt mit einem grünen Daumen gesegnet. Die einzigen Pflanzen, denen ich mich nähern konnte, ohne einen spontanen Kollaps aller grünen Lebensfunktionen zu verursachen, waren meine geliebten Weinreben (und die sind als Dauerkulturen eben einfach robust). Das Wässern der vereinzelt in unserer Wohnungen vorkommenden Topfpflanzen obliegt traditionell schon seit Jahren dem Mann im Haushalt. Also war das Gärtnern, und sei es nur auf ca. 3 Quadratmeter Nordbalkon, absolutes Neuland für mich. Zuallererst stattete ich dem Baumarkt meines Vertrauens einen Besuch ab und kaufte größere Mengen kleiner Blumentöpfchen und Anzuchterde. Bei einem Bio-Gärtnereiversand, der auch alte und seltene Sorten im Programm hat, bestellte ich mir auf gut Glück zwei Sorten balkongeeignete Cherry-Tomaten, verschiedene Kräuter und zwei Sorten Pflücksalate sowie drei Ableger einer balkongeeigneten Erdbeersorte.

Immer noch unbelastet von sämtlicher Sachkenntnis dachte ich mir, „Fähler machen kluk“ und schritt bereits im Februar beherzt zur Tat. Zunächst säte ich auf unserer Fensterbank (auf der Innenseite wohlgemerkt!) Pflücksalate und Tomaten. Außerdem versuchte ich mich an der Vermehrung einer Paprika, die im Jahr zuvor plötzlich spontan in einem unserer Blumenkästen gewachsen war. Ab diesem Moment war ich mit dem Gärtnerei-Fieber infiziert und pilgerte jeden Morgen noch vor dem Weg in die Küche ans Fensterbrett, um die Fortschritte der aufgehenden Pflänzchen zu überwachen. Alles ökologisch versteht sich.

fensterbank

tomaten viele klein

Die Fensterbank dient als Tomatenpflänzchen-Aufzuchtstation.

Parallel las ich in mehreren Balkongarten-Blogs über die Do’s & Dont’s der urbanen Lebensmittelerzeugung und musste ernüchtert feststellen, dass die Zucht von Tomaten und Paprika auf Nordbalkonen auf den Listen mit den Geheimtipps nicht unbedingt weit oben zu finden war. Ausdrücke wie „sonnenliebend“, „heiß“ und „in die pralle Sonne“ verursachten mir einige Sorgen; war ich mir zwar als Agrarmensch vage bewusst, dass Sonne, sprich Photosynthese, für Pflanzen von nicht unerheblicher Wichtigkeit ist, aber dass es davon auf einem Nordbalkon selbst im Sommer nicht allzu viel geben würde, drang erst jetzt langsam in mein Bewusstsein. Außerdem erlitt ich einen Rückschlag mit meinen Tomatenpflänzchen, denen ich an einem sonnigen Tag im März oder April mal ein Sonnenbad mit unverfälschtem, nicht durch Glasscheibe gefilterten Sonnenstrahlen gönnen wollte (für meine Kleinen nur das beste!). Ich hatte nicht bedacht, dass die Sonne zwar vom Himmel brüllte und der Bereich hinter der Glasscheibe schon ordentlich aufgeheizt wurde, dass aber die Temperatur vor der Glasscheibe trotzdem nur knapp über dem Gefrierpunkt lag. Nach zwei oder drei Stunden holte ich die Pflänzchen wieder nach drinnen. Abends waren 90% davon mausetot. Ich hätte beinahe geweint.

tomate klein

Wie es weiterging mit unserem Balkon-Eldorado erzähle ich in Kürze.

MMM #5 live aus Berlin

Guten Morgen! Ich bin diese Woche in Berlin auf der Internationalen Grünen Woche und freue mich schon, am Samstag, wenn meine Arbeit getan ist, den Stoffmarkt am Maybachufer und einige andere Stoffläden aufzusuchen, um ein bisschen zu stöbern und vielleicht noch den einen oder anderen textilen Schatz zu heben. Ich habe euch ja letzte Woche schon von meinen beiden ersten Projekten fürs neue Jahr berichtet und freue mich nach wie vor über Ideen für deren Verwirklichung.

Zeigen will ich heute ein Kleidchen, das ich vor einem TfT-Schicksal gerettet habe. Ich hatte das Freebook von Frau Ninchen schon eine ganze Weile hier rumliegen, zweifelte aber, ob es mir gut genug gefiel, um es zu nähen. Doch schließlich bin ich hier auf eine super gelungene Umsetzung gestoßen, die mich mental sofort in die Welt der Matrosen und Kielschweine entführt hat (momentan habe ich es ja eh mit maritim).

20140121_233243

Also habe ich kurz entschlossen den hübschen Whale & Anchor Stoff von Lillestoff angeschnitten und mich frohen Mutes ans Werk gemacht. Bei der Anprobe war allerdings gleich klar: So geht das nicht. Das Kleid stand unter der Brust, anstatt hübsch anzuliegen, total übel ab und das Gekräuselte trug schrecklich auf, so dass es wirkte, als hätte ich mich kurz vor der Niederkunft nochmal in mein schönstes Umstandskleid geworfen. Die mit Bündchen gefassten Ausschnittkanten waren außerdem total dick. Es sah wirklich ganz komisch aus (auf den Bildern sieht man lustigerweise kaum, dass es soo schlimm absteht; ich hätte vermutlich ein Bild im Profil aufnehmen müssen, um die ganze Tragweite dieses Gekräusels realistisch zu erfassen).

20140118_152925

Danach passierte eine Weile lang gar nichts. Ich war ziemlich ratlos. Dachte noch über einen Rettungsversuch (Falte statt Kräusel und dazu ein Gummiband für besseren Sitz?) nach, der allerdings die Problematik mit den dicken Bündchen auch nicht gelöst hätte.

Als ich dann kürzlich zu einer Party wollte und absolut nichts anzuziehen hatte, fiel mein Blick wieder mal wehmütig auf das verhunzte Kleid und den witzigen Stoff, als mich die Erleuchtung überfiel. Kurz entschlossen kürzte ich ein altes Kauf-Longsleeve (das schon seit längerer Zeit auf dem Vielleicht-Wegwerfen-Stapel lag, da es ursprünglich als Unterhemd für die Arbeit getragen worden war und sich die Nähte teilweise in Auflösung befanden) auf Bolerolänge und zog es über den Teil des Kleides, der mir nicht gefiel. Das Ergebnis fiel so überzeugend aus (obwohl es nun mit dem ursprünglichen Schnitt nicht mehr so viel zu tun hat), dass ich letzte Woche den Rockteil vom unschönen Oberteil getrennt und an das Longsleeve-Bolero angenäht habe (mit Falte statt Kräusel). Gut, das Oberteil könnte etwas weniger spack sitzen, aber meine Güte, es ist wie gesagt auch schon ein paar Tage her, das ich es gekauft habe und schmaler bin ich seitdem leider auch nicht geworden (was natürlich ausschließlich auf den Kraftsport und weniger auf den Hang zu gutem Essen zurückzuführen ist ).

20140119_123032

20140119_123058

Im Kaufteil musste ich fast alle Nähte nochmal nachnähen und habe jetzt gemerkt, dass es immer noch lockere Stellen gibt, an die ich nochmal ran muss. Ich habe mir vorgenommen, mir nie wieder Gedanken darüber machen, dass die von mir fabrizierten Nähte schief oder hässlich sind- guckt mal in die Klamotten, die man so in den gängigen Klamottenläden kriegt, da bleibt einem echt die Spucke weg. Die Sachen sind wirklich von der Verarbeitung so konzipiert, dass man sie im Prinzip nach drei Monaten guten Gewissens wegwerfen kann.

Jedenfalls gefällt mir das Kleid jetzt richtig gut, auch wenn das Oberteil schon etwas abgerockt (und halt spack) ist im Vergleich zum Unterteil. Kombiniert zum Jackett darf es diese Woche sogar mit mir auf die Messe.

20140119_122947

Was die anderen Damen wieder gezaubert haben, kann man diese Woche wie stets beim MMM bestaunen.

Me Made Mittwoch #4

Nie wieder werde ich nur einen halben Meter Stoff kaufen! Den hier vernähten Sweatshirtstoff habe ich beim letzten Stoffmarkt im Herbst quasi noch im Vorbeigehen mitgenommen, weil ich die Farbe so toll fand und er sich wahnsinnig schön angefühlt hat. Ich kam einfach nicht gegen diesen diffusen Habenwollen-Gibber an, hatte aber gleichzeitig keinen Schimmer, was ich damit anstellen wollte und obendrein mein Budget schon kräftig dezent überzogen, so dass ich mit mir selbst zu dem im Nachhinein völlig idiotischen Kompromiss kam, dann eben nur einen halben Meter in den Einkaufskorb zu legen. Super! Was macht man mit 0,5 m kräftig türkisblauem Sommersweat, bei dem man nicht den Hauch einer Chance hat, den gleichen Farbton noch mal irgendwo aufzutreiben?

20140114_142913

Entschuldigt die miese Bildqualität, im Moment gibt es einfach zu wenig Licht im Leben (und zu wenig Leute, die die Kamera halten). Sobald ich kann, werde ich das Bild durch ein etwas aussagekräftigeres ersetzen.

Man wartet auf Inspiration und einen zweiten Stoff, den man dazu verwursten kann. In meinem Fall wurde noch mal eine Shelly daraus, eine Art Hybrid zwischen der Sommer- und der Wintervariante. Für mehr war wirklich kein Stoff da ( ich musste die Bündchen schon stückeln) und da ich bei der letzten Shelly so viel Stoff nachträglich wieder entfernt hatte, habe ich ganz beherzt Größe S zugeschnitten. Fazit: Könnte schon etwas legerer sitzen, aber ganz so presswurstartig wie befürchtet ist sie zum Glück nicht geworden. Der Maxikragen (mit Teddystoff gefüttert) sitzt irgendwie ein wenig seltsam, aber kuschelig ist er auf jeden Fall und somit auch wintertauglich (wenn man, wie ich momentan, in einem Büro arbeitet).

20140114_142738

20140114_143037

Ein wesentlicher Grund, diesen Blog zu beginnen, war neben der Lust, meine Nähwerke vorzuführen, hauptsächlich die Hoffnung auf Eure wertvolle Expertise und gute Ratschläge. Genau das möchte ich nun für meine ersten neuen 2014er Projekte erbitten (die Shelly oben entstand am Vor-Heiligabend 2013 und gehört damit genau genommen noch ins alte Nähjahr). Ich habe noch einen Stapel UFOs hier rumliegen, denen ich erst mal den Garaus machen will, bevor wieder etwas neues entstehen kann, aber spätestens Ende des Monats möchte ich mich dann mit meinen in den Weihnachtsferien geschmiedeten Plänen befassen (das Stoffregal ist schon wieder besorgniserregend wohlgefüllt). Dazu benötige ich aber Rat von den versierten Craftistas, also herhören:

Projekt 1: Eine super-duper-Seemanns-Übergangsjacke

Der Stoff ist dunkelblau und ca. 1,5 Meter lang (nein, diesmal war nicht der Geiz schuld, sondern es war ein Reststück) und von der Dicke etwa sweatshirtstoffdick, allerdings etwas lockerer gewebt (ich weiß leider nicht genau, um was für ein Material es sich handelt). Ich möchte sie gerne füttern, damit sie so diese typische Übergangsjackendicke bekommt, also so in etwa für Temperaturen um die 10°C-15°C geeignet ist. Welches Material nehme ich dafür? Dachte zuerst an Fleece, aber der hängt sich dann vielleicht zu sehr ans Oberteil und wurstet sich dann beim Ausziehen jedes Mal aus der „Oberjacke“ raus?

Ich will auf jeden Fall eine Jacke mit Kapuze und in Anbetracht des wirklich kleinen Stoffstückchens ist schnittmäßig nichts kapriziöses drin. Ich bin bei meiner Recherche auf dieses Modell von Burda gestoßen. Ich würde dann allerdings unten ganz sicher kürzen und stattdessen breite Strickbündchen in der gleichen Farbe annähen:

139-1212-B_300x400-ID279793-fcd8317b11133e793a619dff8e098299

burda jacke2 burda jacke1

Quelle: http://www.burdastyle.de

Was sagt ihr? Habt ihr vielleicht noch einen bombigen Jackenschnitt mit Kapuze in petto, der mit der geringen Stoffmenge zurechtkommt? Vom Stil her dachte ich an was Maritimes und habe für die Innenkapuze und die Taschen diese beiden Stoffe zur Auswahl:

20140114_232826

Wieder mal grottige Smartphone-Kunstlicht-Fotoqualität, aber ich denke ihr könnt es zumindest erahnen. Euer Meinungsbild? Alternativ könnte man noch auf den „Simply boats“ von Hamburger Liebe warten, der Anfang März erhältlich sein wird.

Und vielleicht noch wichtige, unabdingbare Tipps für Dos & Don’ts beim Jacken mit Futter & Bündchen nähen (ich hab mich in derlei schwierigen Nähprojekten noch nicht versucht und will es nicht verhammeln)?

Projekt Nummer 2: Ein elegantes weich fallendes 20er Jahre Oberteil

Ich habe ja schon geschrieben, dass ich in den Weihnachtsferien ganz viel Boardwalk Empire geschaut habe und richtig Lust auf Schnitte im Stil der 20er Jahre bekommen habe. Mittlerweile bin ich bei Staffel 3. In einer Folge trägt die Hauptdarstellerin folgendes Oberteil, das ich ganz wunderbar finde und gerne so oder so ähnlich gerne nachnähen würde.

Oberteil_BE_1 Oberteil_BE_2

Man erkennt es auf dem Screenshot etwas schlecht, aber am Oberteil ist unten nochmal so eine Art „Bündchen“ aus dem taubenblauen Stoff, aus dem Kragen und Ärmelaufschläge sind. Wer kennt sich aus und kann mir nach Ansicht der Bilder sagen, mit welchem Stoff ich so ein Oberteil am besten hinbekommen würde? Und kennt jemand einen Schnitt, der so ähnlich ist bzw. sich ohne große Vorkenntnisse so abändern lässt, dass ein Oberteil wie das abgebildete dabei rauskommt?

Ich bin sehr auf Eure Kommentare und Anmerkungen gespannt und für jede Idee sehr dankbar! Und ich freue mich wahnsinnig, dass ich endlich wieder beim MMM tolle Kleider an tollen Damen bewundern kann!

Lieblingsstück 2013

Willkommen zurück und ein gutes Jahr 2014 wünsche ich allen, die hier mitlesen. Ein großes Dankeschön auch für die lieben Kommentare zu meinen allerersten Posts. Ich habe mich über jeden einzelnen sehr gefreut.

Die Zeit zwischen den Jahren hielt Frau Pfaff Winterschlaf und ich lag mit einer dicken Erkältung fast ausschließlich auf der Couch. Das war auf eine gewisse Art auch sehr angenehm, da praktisch kein Freizeitstress aufkam, der mich sonst, wenn keine Pflichten auf dem Programm stehen, meist sofort mit hektischer Betriebsamkeit überfällt. So konnte ich mir unter dem Vorwand der Genesung zwei komplette Staffeln „Boardwalk Empire“ reinziehen, was vielleicht auch für die Auswahl des Lieblingsstückes 2013 von Bedeutung war, spielt diese Serie doch im Antlantic City der Roaring 20’s. So fiel dann auch die Wahl für die Präsentation des Lieblingsstückes 2013 nach einiger Überlegung, welche Kriterien man für die Auswahl festlegen sollte (Am meisten getragen? Der meiste Angstschweiß bei der Herstellung?), auf mein Flapperkleid nach Burdastyle 6/2012 (Kleid 116).

burda 20s kleid

Das Kleid habe ich für die Hochzeit einer Freundin genäht. Sie und ihr mittlerweile Angetrauter sind beide Anhänger des FC St. Pauli und es wurde im Vorfeld der Hochzeit spaßeshalber die Parole ausgegeben, alle Hochzeitsgäste hätten in braun-weiß zu erscheinen. Da mein eines anderes heißgeliebtes Kleid (allerdings Kaufkleidung) bereits zwei Mal bei einer Hochzeit zum Einsatz kam (und davon abgesehen rot-weiß geringelt ist), musste dieses Mal etwas Neues her. Die Zwanziger Jahre mit ihrer Ungezwungenheit und Lebenslust und vor allem auch das erwachende Selbstbewusstsein der Frauen zu dieser Zeit, die nun zum ersten Mal öffentlich bisherige Männerprivilegien für sich in Anspruch nahmen, haben mich schon lange gereizt. Auch die gerade geschnittenen, knielangen Hängerchen, die damals getragen wurden, fand ich spätestens seit „The Great Gatsby“ sehr kleidsam und so ging ich auf die Suche nach einem passenden Schnitt. Mittlerweile glaube ich, dass es auch möglich ist, ein solches Kleid als Nähanfängerin zu konstruieren, da es durch den geraden Schnitt nicht haargenau auf die Passform ankommt. Schließlich fand ich bei Burda einen Schnitt, der mir sehr gut gefiel.

burda 20s

Foto: Burda

Das einzige, was mir Angst machte, waren die sieben Volants aus Satin, die den Rock zieren sollten. Ich hatte absolut keine Lust, meterweise dieses flutschige Zeug zu vernähen und umging das Problem schließlich, indem ich im Stoffladen meines Vertrauens einen Stoff erwarb, der schon Volants enthielt und der einen schönen, satten Braunton aufwies.

Traveler

Dazu kaufte ich für das Oberteil einen cremeweißen, feinen Jersey. Das Oberteil ist mit elastischem Wirkfutter hinterlegt. Beim Nähen habe ich trotz der Erleichterungen durch das nunmehr schon fast fertige Unterteil Blut und Wasser geschwitzt, da ich mir nicht sicher war, ob die unzähligen Volants am Ende alle aufeinandertreffen würden. Zum Glück waren die Stofflagen alle brav und ich konnte bei besagter Hochzeit stolz mein allererstes selbstgenähtes Kleid ausführen.

Auch wenn es nicht allzuviele Anlässe gibt, es zu tragen, ist es mein Lieblingsstück 2013, das jedes Mal mein Herz erfreut, wenn ich den Kleiderschrank aufmache und es da auf seinem Bügel hängen sehe und mir denke, „Wow, GENAU so ein Kleid wolltest du schon immer haben“. Und jetzt habe ich eines.

flapper_alt

Dummerweise habe ich bei der Hochzeit selbst nicht mehr daran gedacht, ein richtiges Tragefoto zu machen. Es war wohl der heißeste Tag des Jahres und wir waren beschäftigt damit, feste zu feiern. Das einzige Bild, das quasi das ganze Kleid hätte zeigen können, ist mit einer Boxkamera aus den 50er Jahren gemacht worden und weil der Sucher nur ca. 1 cm groß ist, hat der Fotograf mich leider nur zur Hälfte erwischt. Ganz scharf ist es auch nicht, aber trotzdem finde ich es sehr cool, weil es wirklich ein bisschen aussieht wie in der Vergangenheit aufgenommen und ich möchte es euch nicht vorenthalten.

Hochzeit

In letzter Zeit denke ich darüber nach, mir ein zweites Exemplar zu nähen, ohne vorgebenen Farbzwang, und mich an den im Original vorgesehenen Volants zu versuchen. Ich würde es einige cm verlängern und den Stoffübergang noch mehr auf die Hüfte verlegen. Vielleicht würde ich den schlichten Schnitt dann noch etwas mit expressiven Details aufpeppen. Und schon wird meine to-sew-Liste wieder um einen Posten länger. Argh.

Als kleinen Nachtrag zum Weihnachtsgeschenke-Post hier noch ein Tragefoto vom Blogwart mit seinem Fehmarn-Hoodie.

Traveler

Trotz Messen im Vorfeld sitzt der Pulli ziemlich körpernah, euphemistisch ausgedrückt. Ich denke ich hätte für den fehlenden Reißverschluss vorne noch ein paar cm zugeben müssen. Ist aber nicht so schlimm, denn auch so wird der Pullover heiß geliebt und viel getragen, was mich unheimlich gefreut hat (es ist doch das schlimmste, viel Geld und Arbeit in ein Kleidungsstück zu investieren, das dann ein jammervolles Dasein in einer Kleiderschrankschublade führen muss).

Momentan nähe ich hauptsächlich Sachen fertig, an denen noch Bündchen oder Säume fehlen. Außerdem Babysachen für die ganzen Frischlinge, die dieses Frühjahr im Freundeskreis auf die Welt kommen werden. Nebenbei versuche ich meinen Stoffvorrat zu füllen und mir Gedanken über meine Projekte fürs nächste Jahr zu machen. Ich will mich an schwierigeren Sachen versuchen, Belege und Reißverschlüsse und so was. Außerdem möchte ich mir gerne bald eine Hose nähen (grusel), weil das doch bei mir das am meisten gebrauchte, alltagstauglichste Kleidungsstück ist. Es gibt viel zu tun und so wird 2014 sicher nicht langweilig.