Gärtnern

Es ist ja nicht ausschließlich die Anfertigung der eigenen Garderobe, auch wenn diese momentan meine liebste (und zeitfressendste!) DIY-Anwendung ist, die ein ausgesprochenes Gefühl der Befriedigung vermittelt. Ich (als zukünftige Agraringenieurin) habe mich das letzte Jahr über intensiv mit urbaner Gärtnerei und selbstgezogenem Gemüse beschäftigt. Nach dem Umzug im Winter hatten wir zum ersten Mal einen eigenen Balkon und Zierpflanzen fand ich schon immer irgendwie doof. Ich träumte von saftigen Tomaten, knackigen Salaten und duftenden Erdbeeren und einem Kräutergarten, in dem die Hummeln und Schmetterlinge summten.

Schon vorher war ich nicht unbedingt mit einem grünen Daumen gesegnet. Die einzigen Pflanzen, denen ich mich nähern konnte, ohne einen spontanen Kollaps aller grünen Lebensfunktionen zu verursachen, waren meine geliebten Weinreben (und die sind als Dauerkulturen eben einfach robust). Das Wässern der vereinzelt in unserer Wohnungen vorkommenden Topfpflanzen obliegt traditionell schon seit Jahren dem Mann im Haushalt. Also war das Gärtnern, und sei es nur auf ca. 3 Quadratmeter Nordbalkon, absolutes Neuland für mich. Zuallererst stattete ich dem Baumarkt meines Vertrauens einen Besuch ab und kaufte größere Mengen kleiner Blumentöpfchen und Anzuchterde. Bei einem Bio-Gärtnereiversand, der auch alte und seltene Sorten im Programm hat, bestellte ich mir auf gut Glück zwei Sorten balkongeeignete Cherry-Tomaten, verschiedene Kräuter und zwei Sorten Pflücksalate sowie drei Ableger einer balkongeeigneten Erdbeersorte.

Immer noch unbelastet von sämtlicher Sachkenntnis dachte ich mir, „Fähler machen kluk“ und schritt bereits im Februar beherzt zur Tat. Zunächst säte ich auf unserer Fensterbank (auf der Innenseite wohlgemerkt!) Pflücksalate und Tomaten. Außerdem versuchte ich mich an der Vermehrung einer Paprika, die im Jahr zuvor plötzlich spontan in einem unserer Blumenkästen gewachsen war. Ab diesem Moment war ich mit dem Gärtnerei-Fieber infiziert und pilgerte jeden Morgen noch vor dem Weg in die Küche ans Fensterbrett, um die Fortschritte der aufgehenden Pflänzchen zu überwachen. Alles ökologisch versteht sich.

fensterbank

tomaten viele klein

Die Fensterbank dient als Tomatenpflänzchen-Aufzuchtstation.

Parallel las ich in mehreren Balkongarten-Blogs über die Do’s & Dont’s der urbanen Lebensmittelerzeugung und musste ernüchtert feststellen, dass die Zucht von Tomaten und Paprika auf Nordbalkonen auf den Listen mit den Geheimtipps nicht unbedingt weit oben zu finden war. Ausdrücke wie „sonnenliebend“, „heiß“ und „in die pralle Sonne“ verursachten mir einige Sorgen; war ich mir zwar als Agrarmensch vage bewusst, dass Sonne, sprich Photosynthese, für Pflanzen von nicht unerheblicher Wichtigkeit ist, aber dass es davon auf einem Nordbalkon selbst im Sommer nicht allzu viel geben würde, drang erst jetzt langsam in mein Bewusstsein. Außerdem erlitt ich einen Rückschlag mit meinen Tomatenpflänzchen, denen ich an einem sonnigen Tag im März oder April mal ein Sonnenbad mit unverfälschtem, nicht durch Glasscheibe gefilterten Sonnenstrahlen gönnen wollte (für meine Kleinen nur das beste!). Ich hatte nicht bedacht, dass die Sonne zwar vom Himmel brüllte und der Bereich hinter der Glasscheibe schon ordentlich aufgeheizt wurde, dass aber die Temperatur vor der Glasscheibe trotzdem nur knapp über dem Gefrierpunkt lag. Nach zwei oder drei Stunden holte ich die Pflänzchen wieder nach drinnen. Abends waren 90% davon mausetot. Ich hätte beinahe geweint.

tomate klein

Wie es weiterging mit unserem Balkon-Eldorado erzähle ich in Kürze.

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2 Kommentare zu “Gärtnern

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