Gärtnern III

Hier und hier habe ich ja bereits von den Anfängen des Balkongärtnerns erzählt.

Eine kurze Aufzählung, was bei uns alles wuchs und wie erfolgreich die Kultivierung verlief:

Erdbeeren: Klappte erstaunlich gut, die balkongeeigneten Pflänzchen blühten unverdrossen den ganzen Sommer vor sich hin und wenn sie sich nach mehr Sonne sehnten, ließen sie mich das zumindest nicht zu stark spüren. Am Ende habe ich mindestens 10 (!) Erdbeeren (von den drei Pflanzen zusammen) geerntet, die auf eine beeindruckende Art vollkommen geschmacksneutral schmeckten. Doch zu wenig Sonne (und daher kaum Zucker), nehme ich an. Aber egal, herzig sahen sie auf jeden Fall aus. Ich habe sie mal ganz mutig draußen überwintert. Falls sie nächsten Monat noch leben, versuche, ich sie auf der Fensterbank erst mal wieder ein bisschen mit Licht zu päppeln.

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Erste Ernte: Sechs Erdbeeren, das gibt schon fast ein Stückchen Erdbeerkuchen.

Pflücksalate: Die Salate ertrugen schon auf den Balkon umgesiedelt die letzten Fröste und kümmerten danach noch ein Weilchen vor sich hin. Dann fingen sie tatsächlich an, wie Salate auszusehen. Toll! Wir haben sogar 2 oder 3 mal davon gegessen. Für eine komplette Salatmahlzeit hat es leider nie gereicht. Auch fingen sie nach kurzer Zeit schon an zu schossen und wurden daher bitter. Dieses Jahr werde ich sie gestaffelt aussäen, so dass man immer neue Pflanzen raussetzen kann, wenn die alten „durch“ sind. 3 Exemplare hatte ich in einem Hängekasten ganz hinten, wo sie praktisch gar keine Sonne abbekamen. Sie reagierten damit, indem sie hängepflanzenartig ihren Blumenkasten verließen, und anfingen, sich Richtung Boden abzuseilen. Sah zwar hübsch, aber nicht unbedingt essbar aus.

Kräuter: ich habe Petersilie, Dill und Schnittlauch sowie ein paar Wochen später dann Basilikum gesät. Der Dill ist sofort geschossen, das war gar nix. Der Schnittlauch kümmerte immer nur so vor sich hin, ohne nennenswerte Massezuwächse zu erlangen. Da hab ich bestimmt irgendein fundamentales Schnittlauchbedürfnis missachtet. Armes Kerlchen. Basilikum und Petersilie gingen praktisch durch die Decke. Allein der Basilikum hat mich für alles, was sonst nicht geklappt hat, mehr als entschädigt. Er wuchs buchstäblich schneller, als wir ihn essen konnten, so dass ich am Saisonende sogar noch ein paar Gefrierdosen einfrieren konnte, von denen wir die letzte erst kürzlich in die Nudelsauce geschmissen haben. Kriegt von mir eine uneingeschränkte Nordbalkon-Anbauempfehlung!

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Links: Selbst gepäppelte Tomaten, zum Vergleich rechts: vorgezogene Tomaten aus dem Baumarkt.

Aber keine Sorge, den Unterschied haben sie nachher wieder aufgeholt!

Tomaten. Ja, die Tomaten. Wie gesagt, die waren ja bereits nicht ganz problemfrei. Auf dem Balkon bekamen sie dann noch irgendeine gruselige Krankheit, die die Blätter von unten nach oben allmählich vertrocknen lies, so dass sie im Laufe der Monate ein ungesundes, palmenartiges Aussehen annahmen. Generell versuchten sie, die fehlende Sonne durch übermäßige Blattbildung auszugleichen und wuchsen einfach überallhin. Irgendwann waren sie 2 Meter hoch und fingen an, den Nachbarbalkon in Besitz zu nehmen. Die Sorte „Black Cherry“ produzierte nur wenige Tomaten, die aber immerhin essbar waren. Die „Gelbe Johannisbeere“ setzte 1 Milliarde Blüten an, so dass wir irgendwann, als es auf dem Balkon endgültig zu kalt wurde (November?), hunderte, kleiner grüner Kügelchen ernten konnten, die nochmals vier Wochen brauchten, um wirklich gelb zu werden. Ich weiß nicht wie es euch geht, mir ist Gemüse, das einfach nicht schlecht wird, einfach irgendwie suspekt, so dass ich sie dann, als man es gekonnt hätte, auch nicht mehr wirklich verwerten wollte.

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Reiche Ernte: Cherrytomaten der Sorte „Gelbe Johannisbeere“ und Paprika.

Und das alles von einem Balkon, der nach Norden rausgeht und somit nur abends Sonne kriegt.

Sehr positiv überrascht war ich von den Paprika (alle Gartenblogs waren sich einig, dass Paprika pralle Sonne brauchen um zu wachsen und in Deutschland hätte man sowieso nie genug Hitze etc.), die nachdem sie wochenlang gar nicht gewachsen waren, in der großen Augusthitze einen riesigen Schuss machten und tausende Blüten ansetzten. Wir konnten 6 Paprika ernten und verspeisen. Allerdings blieben sie grün. Grüne Paprika mag ich roh persönlich nicht so gerne, aber man kann sie frittieren und gesalzen essen, das ist ganz lecker. Weil sie im Laufe des Sommers ziemlich massiv wurden, brachte ich es nicht übers Herz, sie zu entsorgen und versuche momentan, sie am Fensterbrett im Schlafzimmer zu überwintern (kühl aber so hell wie möglich). Man merkt ihnen aber schon an, dass ihnen ihre heiße Heimat fehlt und sie fangen an, ihre Blätter zu verlieren und ganz traurig auszusehen. Ich wünsche mir wirklich, dass sie den Winter überleben. Dieses Jahr würden sie Bekanntschaft von den „Pimientos de Padron“ bekommen, deren Samen wir im Herbst in Spanien gekauft haben. Das sind ganz kleine grüne milde Paprikas, unter denen sich russisch-roulette-artig ca. alle 50 Exemplare eines befindet, das höllenscharf ist. Der Verzehr eines Tellers „Pimientos de Padron“ bietet somit nicht nur Speisegenuss, sondern immer auch einen gewissen Unterhaltungswert, wenn sich alle Augen bei Tisch auf den Unglücklichen richten, der unvermittelt rot anläuft und anfängt zu röcheln.

Ja, schon ist wieder Anfang Februar. Zeit,  die Gartensaison zu eröffnen und mal den ersten Schwung Salate auszusäen. Bei einer Sperrmüllaktion im letzten Jahr habe ich mir einige Regalböden aus Glas gesichert und will versuchen, mir aus einer Kiste und diesen Glasböden eine Frühbeetkiste zu basteln, die dann auf der Dachterrasse stehen kann. Wenn es soweit ist, werde ich berichten!

Me Made Mittwoch #7 Ahoi

Heute habe ich eigentlich gar keine Zeit, deshalb wieder einmal im Morgengrauen schnell aufsmartphonte Bilder meines neuen Kleidchens (achtung, es wird erneut maritim) –

eine MaSunje von Frau Liebstes. Den Schnitt gibt es seit etwa einem Jahr und ich habe ihn in älteren Beiträgen mehrmals gesehen. Da ich den V-Ausschnitt und das glockige Röckchen so hübsch fand, dachte ich, es sei schön, ihn aus der Versenkung herauszuholen. Man kann ja nicht immer Wintersachen nähen, sondern muss sich langsam aber sicher auf den Frühling vorbereiten, damit man nicht durchdreht.

Den dunkelblaue Bio-Interlock-Jersey habe ich bei Frau Tulpe in Berlin gejagt. Die Schiffchen habe ich schon vor 2 (?) Monaten bei Cherry Picking bestellt und die mussten jetzt einfach dran glauben. Der gestreifte Jersey war bei Karstadt runtergesetzt. Ich weiß im Nachhinein nicht, ob Streifen UND Schiffchen vielleicht ein bisschen too much waren. Ändern kann man es jetzt sowieso nicht mehr 🙂

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Ich bin mit Passform des Schnittes sehr zufrieden und die Größe ist auch in Ordnung. Lediglich die Kapuze sitzt so komisch weit hinten, die würde ich bei einer weiteren Version weglassen. Was mich natürlich stört, ist, dass sich die Nähte (die normalen und die fake-gecoverten) so wellen, obwohl ich mich bemüht habe, den Stoff nicht zu ziehen. Hatte, da ich jetzt so lange nur mit Sweat genäht habe, die se Problematik schon total verdrängt. Vielleicht hilft ja nochmal bügeln. Unten unter den Saum habe ich einen Streifen Vlieseline gebügelt, da war dann alles ok. Dehnbar ist er aber jetzt natürlich nicht mehr.

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Habe gestern gesehen, dass es auf der MMM Seite einen Knit along geben wird und überlege, ob ich mich da noch dranhänge. Habe schon zwei Sachen im Kopf, weiß aber nicht, ob ich den sportlichen Zeitplan einhalten kann. Außerdem habe ich ewig nichts mehr gestrickt. Da muss ich wohl noch mal in mich gehen.

Tolle selbstgemachte Kleidung gibt es heute wie immer beim Me Made Mittwoch.

Gärtnern II

Wie ich mit dem Balkongärtnern angefangen habe, könnt Ihr hier nachlesen.

Von meiner Mutter hatte ich noch Samen für mexikanische Minigurken bekommen. Diese witzigen Dinger sehen aus wie Wassermelonen in Puppengröße, ähneln aber geschmacklich ihren Namensvettern, den Gurken. Leider waren die Samen nicht mehr in Ordnung oder ich habe bei der Einsaat irgendeinen kapitalen Fehler begangen, denn trotz liebevollem Gießen und dem Beschwören der Gartengötter blieben die Töpfchen leer. Ein Freund, der zu Besuch war und die kahlen Töpfchen mit dem Namensschild „Mexikanische Minigurken“ sah, meinte nur ganz trocken: „Die sind ja wirklich mini!“

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Die ersten Kräuter wachsen und gedeihen. Selbst der Dill tut so, als könne er kein Wässerchen trüben.

Das Ende der frostgefährdeten Jahreszeit rückte nun mit großen Schritten näher. Es wurde Zeit für die Salate und die Erdbeeren, ihr warmes Nest an der Fensterbank zu verlassen und auf den Balkon umzusiedeln. Auch die ersten Kräuter wurden gesät. Nachdem nur wenige Tomaten das Fiasko vor der Glasscheibe überlebt hatten und die kümmerlichen Reste während einer einwöchigen Abwesenheit meinerseits leider verdurstet waren, säte ich einen zweiten Schwung ein (was mir dann immerhin im November die ersten essbaren Tomaten bescherte). Sogar die Paprikas entwickelten sich ganz zufriedenstellend (was hieß, dass sie bislang weder an Wassermangel eingegangen noch an einem Kälteschock gestorben waren). Im Mai, nachdem die Gefahr von Nachtfrösten weitgehend gebannt war, wurde der Balkon nach und nach weiter bestückt. Umgeben von den vielen Nutzpflanzen habe ich auch einen Balkonkasten mit Bienenweide (Blühpflanzenmischung, die Nahrung für Bienen und Hummeln bietet) ausgesät, da die kleinen Summer beim Naschen an den bunten und duftenden Blüten wichtige Bestäubungsleistungen erbringen.

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Die Erdbeeren: Weniger Gaumenschmaus als vielmehr Augenweide.

In der Summe habe ich viele Dinge gelernt und will dieses Jahr auf jeden Fall wieder gärtnern, auch wenn sich der Traum von der Selbstversorgung nicht erfüllt hat und viele der Gemüsesorten auch objektiv betrachtet eher hübsch aussahen als gut schmeckten: das Argument mit dem Nordbalkon ist nicht ganz von der Hand zu weisen, auch wenn viele Sachen doch letztendlich schon besser funktionierten als zunächst angenommen. Ich bin bereits in der Planung für die Gemüsesorten für die neue Saison. Was bei uns alles gewachsen ist und wie erfolgreich, erzähle ich beim nächsten Mal.

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Stelldichein von Bienenweide (noch vor dem Blühen) und Pflücksalaten.