MMM #24 Feminist Action

Vor einiger Zeit legte eine amerikanische Capoeira Gruppe ein Shirt auf, durch dessen Erlös von Frauen geleitete Capoeira-Akademien unterstützt werden sollten.

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Da Frauen in der Capoeira, vor allem was die Lehre angeht, nach wie vor unterrepräsentiert sind, hielt ich es für eine gute Idee, die Aktion zu unterstützen und schickte eine Bestellung nach Übersee ab. Als die Lieferung einige Wochen später eintraf, war die Enttäuschung groß. Das in „Girl M“ bestellte Kapuzenshirt war gefühlt 4 Nummern zu groß und hing an mir wie ein XXL-Schlafanzugsoberteil. Um es nicht in der hintersten Ecke des Kleiderschranks versauern zu lassen, musste ich es also ändern.

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Wieder zog ich den nun schon hier und hier bewährten Kaufshirtschnitt hervor und reduzierte die enorme Stoffmenge auf eine tragbare Quantität. Das graue Bündchen ist aus dem Stoffladen meines Vertrauens. Eine Herausforderung stellten die Ärmel dar, die ich in Vorder- bzw. Rückteil integrieren musste, sonst hätte die Stoffmenge an dieser Stelle nicht ausgereicht.

Während des Prozesses war ich skeptisch, aber mit dem Ergebnis bin ich im Endeffekt sehr zufrieden.

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Und jetzt kann ich auch in meiner Freizeit die Verbundenheit zu meinem Sport und meine Identität als Frau darin ausdrücken, mit einem Shirt, das zu mir passt und das nicht mehr aussieht wie ein Schlafanzugsoberteil.

Weitere Garderobe die passt oder passend gemacht wurde, findet ihr hier.

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MMM #23 Gegengerade-Shirt

Vor einiger Zeit habe ich bereits das Oldschool Hoodie Footballkleid vorgestellt. Wie damals bereits erzählt, sehe ich es nicht ein, für Trikots meiner Mannschaft viel Geld auszugeben, die ich dann aber im Prinzip nur im Stadion tatsächlich tragen kann. Ganz davon abgesehen, dass diese auch dort nicht gerade Figurschmeichler sind. Somit habe ich entschieden, meine eigene Fankleidung herzustellen, die einen Bezug zu meiner Mannschaft herstellt, aber trotzdem auch büro- oder freizeittauglich ist. Nach dem herbstlichen Kleid aus Sweatstoff habe ich nun zum Saisonabschluss (und übrigens auf der Zielgeraden zum Klassenerhalt) gleich zwei Shirts hergestellt, von denen ich heute eines vorstellen möchte. Meine Mama lieferte die passenden Plotts  dazu (danke!).

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Das Shirt ist nach dem gleichen Schnitt entstanden wie das Blumenküsser-Shirt. Diesen habe ich von einem Kaufshirt abgenommen. Er macht eine gute Figur uns ist aufgrund der lediglich zwei Schnittteile superflott genäht.

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Der blaue und weiße Jersey ist aus dem örtlichen Stoffmarkt und durch die relativ leichte Qualität fällt das Shirt noch ein wenig besser als das erste. Leider pillt er auch schon nach wenigen Malen waschen bereits ein wenig. Das Motiv zeigt die Silhouette der Gegengerade am Böllenfalltorstadion, also den Ort, an dem ich stehe, wenn ich mal ein Ticket ergattere.

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Ich trage das Shirt super gerne und oft.

Selbstgenähtes gibt natürlich wie jeden Mittwoch hier.

Capoeira-Kleider-Änderungs-Offensive

Als ich mit dem Nähen anfing, faszinierten mich vor allem die schier unendlichen Möglichkeiten, Schnitte, Stoffe und Schnickschnack in Form von Borten, Paspeln und Bändern miteinander zu kombinieren. Oft entstanden in diesem ersten Nähjahr schöne Stücke, die aber überhaupt nicht kombinationsfähig waren, da zu bunt, zu wild gemustert und zu unruhig.

Das Ändern von Kleidung war mir anfangs eher zuwider. Es erschien mir zu handwerklich und es fehlte der kreative Prozess dabei. Mittlerweile schätze ich es durchaus, dass ich mir mittlerweile die Fähigkeiten angeeignet habe, Kleidung zu ändern, die mir zwar gefällt, aber noch nicht optimal passt. Neben dem Feminist Action Shirt habe ich in den letzten Wochen und Monaten immer mal wieder Sportkleidung geändert. Oft bekommt man auf Workshops Shirts geschenkt, die nicht optimal passen oder bestellt sich Shirts und der Schnitt gefällt nicht. Anbei zwei Beispiele für Änderungen, die dazu geführt haben, dass zwei ehemalige Schrankhüter nun zu meinen liebsten Sportshirts gehören.

Das erste Shirt habe ich im Januar in Frankreich von einem tollen Capoeiratrainer geschenkt bekommen. Das Motiv hat mir super gefallen, aber es war leider ein Herrenshirt und nicht gerade klein. Ich habe ein Ringershirt draufgelegt und dem ganzen eine neue Form gegeben. Die Ränder sind nun mit grauem Jersey gesäumt. Es passt jetzt perfekt und eignet sich aufgrund der fehlenden Arme perfekt für das Training im Sommer.

Das zweite Shirt hat mir ein Trainingskollege vermacht. Ihm wurde die falsche Größe geliefert und dann gesagt, er könne das Shirt behalten. Da es mir auch nicht gut passte, habe ich hier das gleiche Procedere angewandt wie bei dem bordeauxroten Shirt aus Frankreich. Um es etwas aufzupeppen, hat es einen Rand aus grünem Jersey bekommen. Jetzt kann der Sommer kommen!

MMM #10 Brasil Love

Lange, lange wars hier sehr still. Was nicht heißen soll, dass die Nähmaschine nicht gerattert hat. Aber ich hatte neben Masterarbeit, Bewerbungsgesprächen und anderen Unbillen des Lebens sowie dem wunderbar frühlingshaften März und April wenig Muße, mich um die Pflege des Blogs zu kümmern. Um so mehr freue ich mich, heute wieder dabei zu sein!

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Passend zum großen Capoeira-Event, das Ende der Woche in Darmstadt stattfinden wird und auf das ich mich schon freue wie Bolle, habe ich mir eine Jacke genäht. Eine Lady Bella von Mialuna. Gedacht ist sie dafür, sie nach dem Training über die verschwitzten Trainingssachen anzuziehen, deshalb habe ich sie auch wieder mit Fleece gefüttert, obwohl das für den kommenden Sommer vielleicht sehr warm erscheint. Aber wenn man nach nem eisenharten Workout klatschnass geschwitzt aus der Turnhalle kommt, ist es gut, sich warm einzupacken, damit man sich nicht erkältet.

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Den wollweißen Strickstoff hab ich fürn Appel undn Ei in Kassel am Königsplatz gekauft. Der Fleece war aus dem Vorrat, der grüne Stoff in den Taschen und an der Kapuze (auch die Ärmel sind damit gefüttert)  ein Trigema-Lappen. Die Passe und die Innenseite der Kapuze sind mit Teilen einer echten brasilianischen Flagge genäht, was eine ziemliche Sauarbeit war, da der Stoff natürlich null dehnbar war und sich auch sonst (habe vorsichtig damit nix schmilzt, Bügelfleece dahintergebügelt) ziemlich seltsam verhalten hat beim Nähen.

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Bin sehr zufrieden und freue mich schon, das gute Stück am Wochenende in die Turnhalle auszuführen. An dieser Stelle nutze ich die Gelegenheit für einen Programmhinweis in eigener Sache: Im Rahmen unseres Festivals findet in Darmstadt am Samstag ein internationales Capoeira-Turnier statt, bei dem die Weltelite unseres Verbandes vertreten sein wird. Wer kommen möchte ist herzlich eingeladen. Das Ganze findet am Samstag um 21:00 in der Böllenfalltorhalle in Darmstadt statt. Hier gibt es nähere Infos.

Ansonsten freue ich mich auf die anderen tollen MMM-Kreationen.

Leidenschaft

Da ich momentan für ein Blockpraktikum in Nordhessen weile und keinen Zugang zur Nähmaschine habe und mir darüber hinaus zu Hause das Ewigkeitsprojekt mit der gefütterten Übergangsjacke Kopfschmerzen bereitet (ich will sie einfach nur fertig haben damit ich mit den ganzen tollen anderen Sachen anfangen kann, die alle in meinem Kopf sind…), nutze ich heut den Aufruf von Jolijou, von meiner Leidenschaft zu erzählen, die rein gar nichts mit Handarbeiten zu tun hat. Sonst denken bestimmt alle, ich sei irgendwie verschollen… mit etwas Glück gibts aber wieder was auf die Augen beim MMM nächste Woche (wenn ich mich durchgebissen habe mit der blöden Jacke).

Aber heute bewegen wir uns im Bereich des Breiten- und des Kampfsportes. CAPOEIRA. Ich trainiere seit mittlerweile 7 Jahren diese brasilianische Kampfkunst, die von vielen Medien immer noch fälschlicherweise als Tanz oder Kampftanz deklariert wird. Ich sage euch, vom Tanzen kann man (glaube ich) niemals so viel schwitzen (gefühlt mehrere Liter pro Training)!

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Foto: Nora Kerscher

Das Training verbindet verschiedene Kampfkunst/-sportelemente wie Tritte, Würfe und Ausweichbewegungen mit Akrobatik und Musik. Diese gibt in der traditionellen Roda (der Kreis, in dem Capoeira gespielt wird) den Takt an: Langsame Musik: Langsames Spiel mit viel Akrobatik und einem Fokus auf Eleganz und Ausdruck; schnelle Musik: schnelles, kämperisches Speil mit Fokus auf Tritten, Würfen und Ausweichbewegungen. Und ihr habt richtig gehört: Capoeira wird „gespielt“. Dieses Attribut versteht sich als Ausdruck von „Zocken“ oder „den anderen hinters Licht führen“.

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Was sich toll anhört und beim Zuschauen geübter Capoeiristas atemberaubend ausssieht, ist in der Realität viel Basistraining und unheimlich anstrengend; Kraft- und Ausdauertraining sowie unzähliges und unablässiges Wiederholen aller Bewegungen.

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Foto: Sabine Theis

Wenn ich nach einem anstrengenden Tag auf der Arbeit eigentlich nur noch nach Hause will und mich erschöpft und ausgepowert fühle, genau dann sind die besten Tage fürs Training. 2 Stunden Konzentration nur auf sich selbst und auf das Durchhalten. Danach ist man zwar wirklich reif für die Couch (und für die Dusche!), aber man ist nicht mehr ausgelaugt. Der Kopf fühlt sich frei an und der Körper ist rundum flexibel und gedehnt.

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Wenn das Berimbau (das traditionelle Instrument der Capoeira) dann zum Spiel ruft, hat man das Gefühl, das eigene Herz schlägt im gleichen Takt.

Ach ja, ich trainiere 2-4 Mal pro Woche für 2 Stunden. Nimmt man aber die Zeit dazu, die das Anschauen von Capoeira-Videos (youtube ist VOLL davon!) und das Erlernen von Instrumenten oder Texten für die Musik in Anspruch nimmt, ist das schon ein zeitraubendes Hobby. Allerdings kann ich mir mein Leben schon lange nicht mehr ohne vorstellen.

Ich bin beim Verband „Grupo Capoeira Brasil“ in Darmstadt und Mainz (wir freuen uns immer über neue Leute).