Lieblingsstück 2013

Willkommen zurück und ein gutes Jahr 2014 wünsche ich allen, die hier mitlesen. Ein großes Dankeschön auch für die lieben Kommentare zu meinen allerersten Posts. Ich habe mich über jeden einzelnen sehr gefreut.

Die Zeit zwischen den Jahren hielt Frau Pfaff Winterschlaf und ich lag mit einer dicken Erkältung fast ausschließlich auf der Couch. Das war auf eine gewisse Art auch sehr angenehm, da praktisch kein Freizeitstress aufkam, der mich sonst, wenn keine Pflichten auf dem Programm stehen, meist sofort mit hektischer Betriebsamkeit überfällt. So konnte ich mir unter dem Vorwand der Genesung zwei komplette Staffeln „Boardwalk Empire“ reinziehen, was vielleicht auch für die Auswahl des Lieblingsstückes 2013 von Bedeutung war, spielt diese Serie doch im Antlantic City der Roaring 20’s. So fiel dann auch die Wahl für die Präsentation des Lieblingsstückes 2013 nach einiger Überlegung, welche Kriterien man für die Auswahl festlegen sollte (Am meisten getragen? Der meiste Angstschweiß bei der Herstellung?), auf mein Flapperkleid nach Burdastyle 6/2012 (Kleid 116).

burda 20s kleid

Das Kleid habe ich für die Hochzeit einer Freundin genäht. Sie und ihr mittlerweile Angetrauter sind beide Anhänger des FC St. Pauli und es wurde im Vorfeld der Hochzeit spaßeshalber die Parole ausgegeben, alle Hochzeitsgäste hätten in braun-weiß zu erscheinen. Da mein eines anderes heißgeliebtes Kleid (allerdings Kaufkleidung) bereits zwei Mal bei einer Hochzeit zum Einsatz kam (und davon abgesehen rot-weiß geringelt ist), musste dieses Mal etwas Neues her. Die Zwanziger Jahre mit ihrer Ungezwungenheit und Lebenslust und vor allem auch das erwachende Selbstbewusstsein der Frauen zu dieser Zeit, die nun zum ersten Mal öffentlich bisherige Männerprivilegien für sich in Anspruch nahmen, haben mich schon lange gereizt. Auch die gerade geschnittenen, knielangen Hängerchen, die damals getragen wurden, fand ich spätestens seit „The Great Gatsby“ sehr kleidsam und so ging ich auf die Suche nach einem passenden Schnitt. Mittlerweile glaube ich, dass es auch möglich ist, ein solches Kleid als Nähanfängerin zu konstruieren, da es durch den geraden Schnitt nicht haargenau auf die Passform ankommt. Schließlich fand ich bei Burda einen Schnitt, der mir sehr gut gefiel.

burda 20s

Foto: Burda

Das einzige, was mir Angst machte, waren die sieben Volants aus Satin, die den Rock zieren sollten. Ich hatte absolut keine Lust, meterweise dieses flutschige Zeug zu vernähen und umging das Problem schließlich, indem ich im Stoffladen meines Vertrauens einen Stoff erwarb, der schon Volants enthielt und der einen schönen, satten Braunton aufwies.

Traveler

Dazu kaufte ich für das Oberteil einen cremeweißen, feinen Jersey. Das Oberteil ist mit elastischem Wirkfutter hinterlegt. Beim Nähen habe ich trotz der Erleichterungen durch das nunmehr schon fast fertige Unterteil Blut und Wasser geschwitzt, da ich mir nicht sicher war, ob die unzähligen Volants am Ende alle aufeinandertreffen würden. Zum Glück waren die Stofflagen alle brav und ich konnte bei besagter Hochzeit stolz mein allererstes selbstgenähtes Kleid ausführen.

Auch wenn es nicht allzuviele Anlässe gibt, es zu tragen, ist es mein Lieblingsstück 2013, das jedes Mal mein Herz erfreut, wenn ich den Kleiderschrank aufmache und es da auf seinem Bügel hängen sehe und mir denke, „Wow, GENAU so ein Kleid wolltest du schon immer haben“. Und jetzt habe ich eines.

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Dummerweise habe ich bei der Hochzeit selbst nicht mehr daran gedacht, ein richtiges Tragefoto zu machen. Es war wohl der heißeste Tag des Jahres und wir waren beschäftigt damit, feste zu feiern. Das einzige Bild, das quasi das ganze Kleid hätte zeigen können, ist mit einer Boxkamera aus den 50er Jahren gemacht worden und weil der Sucher nur ca. 1 cm groß ist, hat der Fotograf mich leider nur zur Hälfte erwischt. Ganz scharf ist es auch nicht, aber trotzdem finde ich es sehr cool, weil es wirklich ein bisschen aussieht wie in der Vergangenheit aufgenommen und ich möchte es euch nicht vorenthalten.

Hochzeit

In letzter Zeit denke ich darüber nach, mir ein zweites Exemplar zu nähen, ohne vorgebenen Farbzwang, und mich an den im Original vorgesehenen Volants zu versuchen. Ich würde es einige cm verlängern und den Stoffübergang noch mehr auf die Hüfte verlegen. Vielleicht würde ich den schlichten Schnitt dann noch etwas mit expressiven Details aufpeppen. Und schon wird meine to-sew-Liste wieder um einen Posten länger. Argh.

Als kleinen Nachtrag zum Weihnachtsgeschenke-Post hier noch ein Tragefoto vom Blogwart mit seinem Fehmarn-Hoodie.

Traveler

Trotz Messen im Vorfeld sitzt der Pulli ziemlich körpernah, euphemistisch ausgedrückt. Ich denke ich hätte für den fehlenden Reißverschluss vorne noch ein paar cm zugeben müssen. Ist aber nicht so schlimm, denn auch so wird der Pullover heiß geliebt und viel getragen, was mich unheimlich gefreut hat (es ist doch das schlimmste, viel Geld und Arbeit in ein Kleidungsstück zu investieren, das dann ein jammervolles Dasein in einer Kleiderschrankschublade führen muss).

Momentan nähe ich hauptsächlich Sachen fertig, an denen noch Bündchen oder Säume fehlen. Außerdem Babysachen für die ganzen Frischlinge, die dieses Frühjahr im Freundeskreis auf die Welt kommen werden. Nebenbei versuche ich meinen Stoffvorrat zu füllen und mir Gedanken über meine Projekte fürs nächste Jahr zu machen. Ich will mich an schwierigeren Sachen versuchen, Belege und Reißverschlüsse und so was. Außerdem möchte ich mir gerne bald eine Hose nähen (grusel), weil das doch bei mir das am meisten gebrauchte, alltagstauglichste Kleidungsstück ist. Es gibt viel zu tun und so wird 2014 sicher nicht langweilig.