MMM #18: Oldschool Football Hoodie-Kleid

Schon mal von den „Lilien“ gehört?

Ich als Darmstädter Mädchen muss nun doch auch im Rahmen meiner Nähtätigkeit mal das aktuelle Sportgeschehen ein wenig näher beleuchten: Seit die erste Mannschaft des SV Darmstadt 98 (kurz und liebevoll die „Lilien“ genannt, wegen das Vereinslogos) in den letzten drei Jahren vom in letzter Minute abgewendeten Abstieg in Liga vier im Mai diesen Jahres den Durchmarsch in die erste Bundesliga geschafft hat, steht die ganze Stadt sprichwörtlich Kopf. 11.000 Dauerkarten sind für das alte und marode Stadion am Böllenfalltor verkauft  (bei einer Gesamtkapazität < 17.000) und wenn die Lilien spielen, herrscht in der Stadt Ausnahmezustand. „Das kleine gallische Dorf“, wie sich die Mannschaft selbst betitelt; kein Wunder beim bei weitem kleinsten Etat der Liga, erzählt ein modernes Fußballmärchen. Höchste Zeit, diesem Märchen in Form eines Kleidungsstückes zu huldigen. Ich wollte einen Sweat-Hoodie, der an das aktuelle Lilien-Trikot angelehnt ist. Eigentlich war das besagte Projekt auch bereits für die letzte Saison angedacht, musste aber aus Zeitmangel nach hinten verlegt werden. Das neue Trikot ist einfarbig blau statt blau-weiß wie in der letzten Saison.

SV98 14-15 Heimtrikot

Das Trikot der letzten Saison

TrikotHome

Das neue Trikot 2015/2016

Um  den Bezug zum Fußball herzustellen, und nicht nur einfach einen blauen Pulli zu nähen, musste noch ein dezentes Detail her. Auf den neuen Trikots ist vorne links eine Lilie aufgeplottet. Nach einigem Hin- und Herüberlegen entschied ich mich, die besagte Lilie auch auf dem Hoodie anzubringen, und zwar aus Mangel an Alternativen als Stickbild. Nun verfüge ich leider nicht über eine Stickmaschine. So habe ich an der entsprechenden Stelle hinter den Stoff ein Bügelvlies aufgebügelt und mein Motiv dann dort aufgezeichnet. Im Anschluss habe ich sehr langsam mit einem sehr sehr schmal eingestellten Zickzackstich das Motiv nachgestochen.

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Bei genauerem Hinsehen denkt man zwar, das arme kambodschanische Kind, das dieses Motiv gestickt hat, hätte einen Trip eingeschmissen, aber für den ersten Versuch und ohne professionelles Equipment finde ich das Ergebnis dann trotzdem ganz ordentlich.

Der Schnitt ist eine Kombination aus meinem konstruierten Schnitt, den ich bereits hier gezeigt habe (oben) und einer verlängerten Shelly (unten).

Ich habe, als ich den Retro Hoodie Artikel veröffentlicht habe, mal versprochen, dass ich zeige, wie man die Kapuze näht. Ich habe den Schnitt nach einem trial-and-error-Verfahren konstruiert bis sie richtig saß. Der Schnitt dafür sieht so aus:

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Beim Zuschneiden habe ich ganz schön viel Angstschweiß vergossen ob meines Improvisationsmutes, doch das Ergebnis kann sich in meinen Augen sehen lassen. Bin sehr zufrieden und hoffe, mit dem guten Stück sowohl im Stadion als auch im Büro stets passend gekleidet zu sein 🙂 Ach so: Der königsblaue Sweatstoff ist vom Stoffmarkt und der weiße Stoff in der Kapuze von Karstadt. Und dass ich im Eifer die Lilie auf die falsche Seite gestickt habe, fällt sicher niemandem auf… 😉 Und jetzt Manege frei für die Oldschool Football Bilderflut:

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Und damit bin ich heute das erste Mal nach langer Abstinenz wieder beim MMM dabei! Jippie, ick freu mir!!

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Me Made Mittwoch #4

Nie wieder werde ich nur einen halben Meter Stoff kaufen! Den hier vernähten Sweatshirtstoff habe ich beim letzten Stoffmarkt im Herbst quasi noch im Vorbeigehen mitgenommen, weil ich die Farbe so toll fand und er sich wahnsinnig schön angefühlt hat. Ich kam einfach nicht gegen diesen diffusen Habenwollen-Gibber an, hatte aber gleichzeitig keinen Schimmer, was ich damit anstellen wollte und obendrein mein Budget schon kräftig dezent überzogen, so dass ich mit mir selbst zu dem im Nachhinein völlig idiotischen Kompromiss kam, dann eben nur einen halben Meter in den Einkaufskorb zu legen. Super! Was macht man mit 0,5 m kräftig türkisblauem Sommersweat, bei dem man nicht den Hauch einer Chance hat, den gleichen Farbton noch mal irgendwo aufzutreiben?

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Entschuldigt die miese Bildqualität, im Moment gibt es einfach zu wenig Licht im Leben (und zu wenig Leute, die die Kamera halten). Sobald ich kann, werde ich das Bild durch ein etwas aussagekräftigeres ersetzen.

Man wartet auf Inspiration und einen zweiten Stoff, den man dazu verwursten kann. In meinem Fall wurde noch mal eine Shelly daraus, eine Art Hybrid zwischen der Sommer- und der Wintervariante. Für mehr war wirklich kein Stoff da ( ich musste die Bündchen schon stückeln) und da ich bei der letzten Shelly so viel Stoff nachträglich wieder entfernt hatte, habe ich ganz beherzt Größe S zugeschnitten. Fazit: Könnte schon etwas legerer sitzen, aber ganz so presswurstartig wie befürchtet ist sie zum Glück nicht geworden. Der Maxikragen (mit Teddystoff gefüttert) sitzt irgendwie ein wenig seltsam, aber kuschelig ist er auf jeden Fall und somit auch wintertauglich (wenn man, wie ich momentan, in einem Büro arbeitet).

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Ein wesentlicher Grund, diesen Blog zu beginnen, war neben der Lust, meine Nähwerke vorzuführen, hauptsächlich die Hoffnung auf Eure wertvolle Expertise und gute Ratschläge. Genau das möchte ich nun für meine ersten neuen 2014er Projekte erbitten (die Shelly oben entstand am Vor-Heiligabend 2013 und gehört damit genau genommen noch ins alte Nähjahr). Ich habe noch einen Stapel UFOs hier rumliegen, denen ich erst mal den Garaus machen will, bevor wieder etwas neues entstehen kann, aber spätestens Ende des Monats möchte ich mich dann mit meinen in den Weihnachtsferien geschmiedeten Plänen befassen (das Stoffregal ist schon wieder besorgniserregend wohlgefüllt). Dazu benötige ich aber Rat von den versierten Craftistas, also herhören:

Projekt 1: Eine super-duper-Seemanns-Übergangsjacke

Der Stoff ist dunkelblau und ca. 1,5 Meter lang (nein, diesmal war nicht der Geiz schuld, sondern es war ein Reststück) und von der Dicke etwa sweatshirtstoffdick, allerdings etwas lockerer gewebt (ich weiß leider nicht genau, um was für ein Material es sich handelt). Ich möchte sie gerne füttern, damit sie so diese typische Übergangsjackendicke bekommt, also so in etwa für Temperaturen um die 10°C-15°C geeignet ist. Welches Material nehme ich dafür? Dachte zuerst an Fleece, aber der hängt sich dann vielleicht zu sehr ans Oberteil und wurstet sich dann beim Ausziehen jedes Mal aus der „Oberjacke“ raus?

Ich will auf jeden Fall eine Jacke mit Kapuze und in Anbetracht des wirklich kleinen Stoffstückchens ist schnittmäßig nichts kapriziöses drin. Ich bin bei meiner Recherche auf dieses Modell von Burda gestoßen. Ich würde dann allerdings unten ganz sicher kürzen und stattdessen breite Strickbündchen in der gleichen Farbe annähen:

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Quelle: http://www.burdastyle.de

Was sagt ihr? Habt ihr vielleicht noch einen bombigen Jackenschnitt mit Kapuze in petto, der mit der geringen Stoffmenge zurechtkommt? Vom Stil her dachte ich an was Maritimes und habe für die Innenkapuze und die Taschen diese beiden Stoffe zur Auswahl:

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Wieder mal grottige Smartphone-Kunstlicht-Fotoqualität, aber ich denke ihr könnt es zumindest erahnen. Euer Meinungsbild? Alternativ könnte man noch auf den „Simply boats“ von Hamburger Liebe warten, der Anfang März erhältlich sein wird.

Und vielleicht noch wichtige, unabdingbare Tipps für Dos & Don’ts beim Jacken mit Futter & Bündchen nähen (ich hab mich in derlei schwierigen Nähprojekten noch nicht versucht und will es nicht verhammeln)?

Projekt Nummer 2: Ein elegantes weich fallendes 20er Jahre Oberteil

Ich habe ja schon geschrieben, dass ich in den Weihnachtsferien ganz viel Boardwalk Empire geschaut habe und richtig Lust auf Schnitte im Stil der 20er Jahre bekommen habe. Mittlerweile bin ich bei Staffel 3. In einer Folge trägt die Hauptdarstellerin folgendes Oberteil, das ich ganz wunderbar finde und gerne so oder so ähnlich gerne nachnähen würde.

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Man erkennt es auf dem Screenshot etwas schlecht, aber am Oberteil ist unten nochmal so eine Art „Bündchen“ aus dem taubenblauen Stoff, aus dem Kragen und Ärmelaufschläge sind. Wer kennt sich aus und kann mir nach Ansicht der Bilder sagen, mit welchem Stoff ich so ein Oberteil am besten hinbekommen würde? Und kennt jemand einen Schnitt, der so ähnlich ist bzw. sich ohne große Vorkenntnisse so abändern lässt, dass ein Oberteil wie das abgebildete dabei rauskommt?

Ich bin sehr auf Eure Kommentare und Anmerkungen gespannt und für jede Idee sehr dankbar! Und ich freue mich wahnsinnig, dass ich endlich wieder beim MMM tolle Kleider an tollen Damen bewundern kann!

Weihnachtsgeschenke

Draußen mieses Schmuddelwetter und der Blogwart das ganze Wochenende außer Haus: Die perfekte Gelegenheit, eine konzentrierte Nähsession zu starten. Hier seht ihr meinen Arbeitsbereich: alles was nicht an der Nähmaschine passiert, findet auf dem Fußboden statt (und das ist kein Chaos, das muss so sein 🙂 )

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Und hier die Resultate:

Eine Shelly nach dem Vorbild derer, die ich vor zwei Wochen schon mal hier gezeigt habe. Eine Freundin fand diese so schön, dass ich mich spontan bereit erklärt habe, noch mal ein solches Modell zu nähen. Unnötig zu erwähnen, dass ich auch dieses Mal den Kragen abgetrennt und erneut angenäht habe. Hatte mich bei der Konstruktion um 10 cm ein bisschen verrechnet. Außerdem ist mir ein Fehler beim Abmessen der Armlänge passiert, so dass ich noch mal anstückeln musste 😦 aber wenn jemand fragt, dann gehört das natürlich so 😉

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Auf den Fotos kommt die Farbe nicht so schön raus, es ist ein schönes sattes Moosgrün (Sweatshirtstoff von Stoff & Stil)

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An den Eingriffstaschen habe ich eine orangene Paspel mitgefasst, die einen ähnlichen Orangeton hat, wie der Ringeljersey.

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Der Kragen ist im Gegensatz zur ersten Shelly noch ein bisschen mehr angeschrägt und statt mit Frottee mit hellgrünem Fleece gefüttert.

Nr. 2 (noch UFO): Der Blogwart bekommt einen Sweater zu Weihnachten, Schnitt und Farbwahl inspiriert von diesem Modell, das Maarikami vor einigen Monaten auf ihrem tollen Blog vorgestellt hat. Wie bei ihr handelt es sich um den Fehmarn-Jackenschnitt und auch ihre Modifikationen habe ich gleich übernommen. Verwendetes Material: Dunkelblauer Kuschelsweat vom Stoffmarkt (hab mich totgeärgert dass ich davon nicht mehr gekauft habe, so flauschig fühlt der sich an) und als Futterstoff für Kapuze und Taschen „Tattoo Love“ von lillestoff. Ich fand die Anleitung zum zusammennähen relativ kryptisch (…und ich so „Hä?“), so dass ich einfach so genäht habe, wie ich dachte, und da ich mich ja um den Reißverschluss und alle anderen schwierigen Sachen gedrückt hatte, bin ich damit auch gut gefahren.

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20131215_123425Hier noch mal die Kapuzen-Nahansicht. Rote Paspel am Kapuzenrand bildet einen kleinen Extra-Hingucker. Dem Pulli fehlen bisher noch die Bündchen. Über deren Farbe möchte ich gerne erst noch mal mit dem zukünftigen Träger des Kleidungsstückes konferieren.

Und dann war noch Zeit, ein bisschen angefangenen Kleinkram fertig zu machen:

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Zwei Astronautenmützen „Charly“ nach dem Schnitt von Hedi für die sich auch in unserem Bekanntenkreis allmählich ausbreitenden Kleinkinder im Alter von 1,5 bis 3 Jahren sowie zwei Loops für diverse Familienmitglieder. Den Kapuzenschnitt „Frau Charly“ habe ich übrigens auch noch hier liegen, sogar auch schon zugeschnitten, aber für heute ist gut.

Ich geh jetzt mal das Chaos den Arbeitsbereich aufräumen. Vielleicht haben Frau Pfaff und ich heut abend noch mal spontan Lust auf ein Treffen.

Verschenkt ihr auch Selbstgenähtes zu Weihnachten?

Me Made Mittwoch #1

Ein lange gehegter Traum wird wahr: Endlich selbst beim Me Made Mittwoch mitmachen und nicht nur immer wieder sabbernd und zitternd vor Näh-Wolllust die ganzen wunderbaren Kleider bestaunen, die von den vielen fleißigen Kreativen jede Woche zur Schau gestellt werden.

Der Schnitt, den ich zeigen möchte, ist schon vielfach hier und auf anderen Seiten vorgestellt worden. Eine „Shelly“ von Jolijou in der Langarm-Sweatshirt-Version, die mir beim ersten Kälteeinbruch in der letzten Woche schon Dauerdienste geleistet hat, weil man trotz kurzer Jacke nie wieder kalte Nieren bekommt- sehr angenehm!

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Der schwarze Sweatshirtstoff und der weiß-rote Ringeljersey sind von Lillestoff (beides bio). Statt klassischer Bündchen habe ich bei Kragen und Ärmel einen Ober- und einen Unterstoff verwendet, weil ich es etwas kuscheliger und wintertauglicher haben wollte. Für die Innenseiten habe ich jeweils weißen, feinen Frottee vom Stoffladen meines Vertrauens vernäht. An dem Pulli/Kleid (ich kann mich nie so richtig entscheiden, wie ich es jetzt betiteln soll und überlasse das der Gunst des geneigten Lesers) habe ich wirklich gefühlt ewige Zeiten gesessen. Die beiden Stoffschichten waren außerordentlich widerspenstig und inkompatibel, was sich im Wegrollen in verschiedene Richtungen und dem generellen Widerstreben dagegen äußerte, zusammengenäht zu werden. Ich habe außerdem noch Taschen ergänzt, weil ich das bei der Länge für notwendig praktischer hielt.

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Genäht habe ich Größe L, da für Sweatstoffe empfohlen wird, eine Größe größer zu nehmen (und gemessen hätte ich Größe M). Durch den Zug der Bündchen oben und unten kriegt das ganze Teil erst spät während des Nähprojektes so etwas wie Form. Daher merkte ich auch erst, als ich praktisch komplett fertig war: VIEL zu groß! ich hätte in diesem Kleidungsstück ein Kind zur Welt bringen können, ohne dass meine geneigte Umwelt davon was mitgekriegt hätte. Da aber an den Rändern ja mittlerweile Taschen angebracht waren, war guter Rat teuer und schließlich trennte ich den Kragen und das Bündchen unten schweren Herzens wieder ab (ich hasse es, Bündchen anzunähen!) und schnitt beherzt das Vorderteil in der Mitte auseinander und nahm dort sage und schreibe 8 cm (!) raus, wodurch die Passform sich enorm verbesserte.

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Den Kragen habe ich abgeändert und nach dem Kragentutorial von Frau Liebstes genäht. Um ihm genügend Stand zu geben, habe ich zwischen Ober- und Unterstoff Vlieseline gebügelt und ihn auch ein gutes Stück schmäler gemacht (ich habe nicht gemessen, aber ich schätze, so 10-12 cm weniger in der Höhe hat er jetzt schon). Mit drei Kamsnaps wird er geschlossen und mit einem Zierstich ist er noch mal von außen abgesteppt, so dass ich jetzt nach der ganzen Änderei doch ganz zufrieden bin.

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Erst am Ende hab ich gemerkt, dass ich die offene Seite des Kragens rechts angenäht habe statt links, so dass diese jetzt „nach vorne schaut“ statt nach hinten (wenn ihr wisst, was ich meine). Aber den Kragen nochmal abtrennen und neu annähen war mir dann doch zu blöd und ich entschied, dass ein kleiner Makel das ganze Teil ja irgendwie noch charmanter machen würde (komisch, jetzt wo ich das schreibe fällt mir auf, dass ich das bei den meinsten selbstgenähten Klamotten denke…) 🙂

Noch mehr Selbstgenähtes gibt es beim Me Made Mittwoch!